Wo war der Keldachgau?

Die alte (damals noch hölzerne) Burg Berge muß - so ist es urkundlich erwiesen - schon vor dem Jahre 960 bestanden haben, denn da erhielt bereits Hermannus Pusillus, Gaugraf im Keldachgau, die Burg auf dem Bülsberg zur Lehen.

 

Der Keldachgau war eine mittelalterliche fränkische Gaugrafschaft und umfasste wahrscheinlich den Raum der heutigen Städte von Düsseldorf bis Elberfeld und von Leverkusen bis Wipperfürth. Urkundlich erwähnt sind Gerresheim, Wuppertal-Schöller und Altenberg (Burg Berge).

                                                                    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christoph Jacob Kremers weiland Kurpfälzischen Hof- und Ehegerichts-Raths und Historiographen, auch ordentlichen Mitgliedes der kurf. Akademdie der Wissenschaften: Akademische Beiträge zur Gülch- und Bergischen Geschichte, hrsgg. von Andreas Lamey, Dritter Band, Mannheim 1781

Hier schreibt Kremers über den Keldachgau folgendes:

„Neben diesem Duisburger Gau war nun die Rur hinauf der Rurgau, und den Rhein hinauf der Keldachgau. Der überrheinische Theil des ehemaligen grosen Dekanats von Neuß, oder der jezige Dekanat von Düsseldorf, möchte ihn wohl ausgemacht haben. Nach dieser Unterstellung hat der Keldachgau bis an die Wipper gereichet, wo der Duizergau angestossen hat, der in einer Urkunde des Königs Konrad II ausdrücklich genannt wird. Denn alles, was auf der linken Seite dieser Bach gelegen war, gehörte noch in den Dekanat von Deuz(b), und was auf der rechten, in den von Düsseldorf. Da Gerresheim bei Düsseldorf ein dahin gehöriger Dekanat-Ort unstreitig ist, so seze ich es auf solche Weise in den Keldachgau, und ist also der Graf Hermann, in dessen Grafschaft Gerresheim, nach einer Kaiserlichen Ottonischen Urkunde von 976, gelegen war, ein Graf des Keldachgaues gewesen. Ein Graf gleiches Namens von eben diesem Gaue lebte unter König Heinrich II im Jahre 1019, welchen wir Hermann II nennen wollen.

 Das kann ich mit Zuverläßigkeit versichern, daß jener Hermannus, der schon im Jahre 1003 als Vogt von dem Kloster Deuz erscheinet, unter die ältesten Urvätter unserer nachherigen Grafen von Berg gezählet werden müsse. Denn dort hatte Hermann schon im Jahre 976 den Titul eines Grafen, hier aber heißt er nur: Hermannus advocatus Diuitensis ecclesiae. Vor dem Hermann haben Graf Christian und nach ihm Graf Bilison diese Schenkung mit ihrer Unterschrift bezeichnet. Einer von ihnen muß der Graf im Duizichgau gewesen seyn, in welchen die neue Abtei Duiz gehöret hatte. Aber auch das uralte Stammschloß unserer Bergischen Grafen, ich meine Altenberg, lag in eben diesem Gaue, welches meine Meinung bekräftiget, daß der Duizer Klostervogt daraus abstammet“

Die Burg Berge 

Altenberge, wahrscheinlich ursprünglich eine Wohn- und Wehranlage aus Holz war auf oder in einem Erdhügel einer so genannten Motte erbaut. Hierbei wurde meist zuerst der Wehrturm aus Holz errichtet und um den Turm herum der Erdhügel aufgeschüttet, so dass der Turm zumindest teilweise im Erdhügel steckte. Der Turm wurde eingemottet. Damit hatte der Turm eine gute Stabilität und die nicht Kämpfenden waren vor Pfeilen und Steinschleudern sicher. So wie viele Motten wurde auch die der Burg Berge an einen Felsen angelehnt. 

Das Modell und ein Nachbau einer solchen Hügelburg zeigen nachfolgende Bilder:

 

Modell: Germannische Motte  

Nachbau einer Hügelburg    

 

Bei den 1981 durchgeführten archäologischen Grabungen konnten nur noch die Fundamente des um 1060 fertig gestellten steinernen Neubaus der Burg gefunden werden. Die Grabungen lieferten jedoch den endgültigen Beweis für den bis dahin nur aus Überlieferungen  bekannten Standort auf einem Bergsporn des Bülsberges 500 m dhünnabwärts  von Altenberg.

 

Gefunden wurden:

-  3 Stellen mit Küchenabfällen, deren Schichtdicke bis zu 2 Meter betrug (geschwärzte Stellen im Grundriss-Plan),

- das 1,30 m dicke Mauer-Fundament des Wehrturms und Haupthauses mit einer Kantenlänge von ca. 10 x 10 m (siehe Bild),

- ein Spielwürfel mit Zahlen aus Tierknochen,

- ein Spielstein aus Bein,

- ein vergoldeter zweiteiliger Anhänger,

- einige Münzen.

                                                                                                                                    

Diese Spornburg war wohl mit den damaligen Methoden kaum angreifbar. Als Mischung von Spornburg und Motte - mit vorgelagertem Teich - hatte sie alle Voraussetzungen einer guten Schutzburg. So sollen  mehrere halboffene Rundtürme kammartig den West- und Südteil der Schutzmauer gebildet haben. Es ist anzunehmen, dass der Abschnittgraben mit dem Teich (heute verlandet und versumpft, aber noch erkennbar) verbunden war und es als Über­gang eine Zugbrücke gegeben hat. So ist es nicht verwun­derlich, dass keine Zerstörung dieser Feste bekannt ist. Nachdem die Grafen - und nach ihnen die Mönche - die Burg verlassen hatten, wurde sie wegen der Baumaterialien abgetragen und vermutlich um mehrere Meter abgesenkt.

 

 

 

 

Mauerreste: Grabung von 1981

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                        

Oben: Der ehemalige Zufahrtsweg - der in Richtung des Gehöftes am unteren Bülsberg führt - muss auch in späteren Jahren noch benutzt worden sein (z.B. als Waldwirtschaftsweg), sonst wäre er stärker überwuchert. Möglicherweise ist der heutige Fahrweg erst mit der Einrichtung des Wildparks angelegt worden, und bis dahin war dieser Weg Zufahrt zu diesem Waldgebiet.

 

Rot: Ehemalige Zufahrt

Beige: Heutiger Weg

 

 

Wenn man mit ein wenig Phantasie in den luftleeren Raum hinein spekuliert, so könnte der Grundriss der Burg durchaus wie folgende Skizze ausgesehen haben:

 

 

Dieser Text aus www.bergschmiede.de war in Kombination mit den Grabungsberichten

 Grundlage für nebenstehende Skizze.

 

Der Grundriss dieser Ruine ist ungewöhnlich, sowohl die runden Tortürme, als auch die halbrunden, offenen Mauertürme in Kammförmiger Anordnung fallen aus dem Rahmen.
Der ca. 10x10 Meter große Wohnturm könnte aus dem 11. Jahrhundert stammen, die anderen Gebäudeteile sind vermutlich jünger. Der künstlich aufgeschüttete Hügel, der als Fundament für das Hauptwohnhaus diente, ist noch vorhanden. Er wird von einer 1,30 bis 1,40 Meter dicken Bruchsteinmauer umgrenzt und stellt die höchste Erhebung des Burggeländes dar.
Der ehemalige Burghof hat einen unregelmäßigen umriss und wird von einem Felsen eingeschnitten. Ein weiterer Wohnbau hat auf einer Westlichen Felsrippe gestanden.
Befestigt war die Anlage auf dem Bergsporn in östlicher Richtung mit einem Abschnittsgraben und in nord- westlicher Richtung durch die Dhünn und Felsen, die es Feinden hinderlich machte, die Burg einzunehmen. In der Nähe des vermuteten Burgeingangs lässt sich noch ein alter Hohlweg erkennen, der in Richtung Osten zur Ortschaft Bülsberg hinaufführt. Experten vermuten, dass der dortige Hof einmal der frühere Wirtschaftshof der Burg Berge war.

Quelle: www.bergschmiede.de

 

Laut Grabungsbericht stützten - statt eines Torturms - halbrunde Futtermauern das mächtige Tor.

 

 Die Ansicht der Burg Berge könnte – mit allen Vorbehalten – so ähnlich ausgesehen haben:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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